Hallöchen, ich heiße Charlie und bin wie mein Kumpel Caniche ein reinrassiger Pudel und. Auch ich habe eine traurige Geschichte zu erzählen. Ich leide an einer Herzinsuffizienz, d. h. mein Herz pumpt nicht genug Blut durch den Körper. Dadurch funktioniert die Sauerstoffversorgung nicht richtig und die Flüssigkeitsabfuhr ist auch gestört, also speichert sich zu viel Wasser im Körper ab. Es gibt aber Medikamente, die dagegen helfen, die muss ich allerdings auch jeden Tag bekommen. Meine vorherigen Besitzer haben mich damals zum Tierarzt gebracht, bei dem Sarah gearbeitet hat, um mich behandeln zu lassen. Da es mir damals richtig schlecht ging, musste ich ein paar Tage dort bleiben. Doch dann haben meine „lieben“ Besitzer beschlossen, dass eine tägliche Medikamentengabe zum einen viel zu aufwendig, zum anderen auch viel zu teuer wäre, also sollte ich gleich an Ort und Stelle eingeschläfert werden. Da die Tierärztin natürlich nicht grundlos einen Hund einschläfert, nur weil er ein Leben lang Medikamente nehmen muss, hat sie noch lange mit ihnen diskutiert, aber sie wollten mich einfach nicht mehr haben. Dabei wären mein schlimmer Husten und meine sonstigen Beschwerden mit den Medikamenten wesentlich besser geworden, doch sie ließen sich nicht davon abbringen. Zu meinem Glück wollten sie nicht einmal meinen Leichnam haben, um mich wenigstens würdevoll bestatten zu können, nach dem Motto, Hauptsache weg, und das so schnell wie möglich. Sie haben mich also beim Tierarzt zurückgelassen in dem Glauben, dass ich kurz darauf die Todesspritze bekommen würde. Doch das haben Sarah und ihre Tierarzt-Chefin natürlich nicht gemacht, sondern wollten mir stattdessen gewissermaßen ein zweites Leben schenken, und Sarah hat mich mitgenommen. So kam ich am 18.12.2004 auf die Quinta, das war mein allerschönstes Weihnachtsgeschenk, wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt. Ich bin auf neue Medikamente eingestellt worden, und damit ging es dann immer mehr bergauf mit mir. Allerdings habe ich nach drei Monaten einen herben Rückschlag erlitten, bei dem ich fast gestorben wäre, aber dank der liebevollen Pflege, der unzähligen Tierarztbesuche sowie den Medikamenten habe ich es doch geschafft.
Unsere Medikamententante Carola sorgt dafür, dass ich meine vielen Tabletten, die ich zwei Mal täglich einnehmen muss, zu den richtigen Zeiten bekomme. Dadurch geht es mir richtig gut. Eines dieser Medikamente ist für die Entwässerung meines Körpers zuständig, was dazu führt, dass ich ständig Pipi muss. Deshalb bin ich auch sehr dünn, obwohl ich anständig esse, aber wen stört das schon.
Manchmal verhalte ich mich ein wenig seltsam, das muss ich schon zugeben. Irgendwas stimmt in meinem Kopf nicht hundertprozentig, glaube ich. So belle ich beispielsweise nicht etwa, wenn jemand kommt, sondern wenn jemand geht, das kann ich gar nicht leiden. Ich schnappe auch schon mal zu, wenn mir was nicht passt, aber verletzt habe ich noch nie jemanden. Wenn es um mein Futter geht, dann verstehe ich überhaupt keinen Spaß. Da darf sich im Umkreis von mindestens zwei Metern niemand aufhalten, sonst werde ich richtig böse. Um allen klar zu machen, dass mir ja keiner zu Nahe kommen darf, knurre ich prophylaktisch ununterbrochen während des Fressens, aber erstaunlicherweise wird das auch respektiert, dabei habe ich ansonsten im Rudel eigentlich eher wenig zu sagen. Aber mit kindischen Streitereien wie beispielsweise um Rangordnungsplätze – das ist in einem Rudel mit so vielen Hunden normal – oder sonstigem Kinderkram will ich auch gar nichts zu tun haben, das interessiert mich nicht die Bohne, insofern ist es auch nicht schlimm, dass ich nicht viel zu melden habe. Ich lasse sie in Ruhe und sie mich, das ist es, was ich möchte.
Zu den Dingen, die mir wichtig sind, gehört also, dass ich meine Ruhe habe, ungestört mein Futter genießen kann, viele Streicheleinheiten bekomme und vor allem viel, viel Schlaf. Ich liege unheimlich gerne faul in der Sonne. Aber man mag es kaum glauben, manchmal werde ich auch richtig aktiv, renne herum und freue mich des Lebens.
Und während meine alten Besitzer mich wahrscheinlich längst vergessen haben, weil sie davon ausgehen, dass ich schon lange im Hundehimmel oder sonst wo bin – auch das wird ihnen egal sein, schätze ich –, verlebe ich hier mit meinen mittlerweile 11 Jahren einen schönen und glücklichen Lebensabend und freue mich, dass ich diese zweite Chance bekommen habe und am Leben bin.
Übrigens bin ich sehr eitel und freue mich, wenn mir Sarah und ihr Freund Miguel einen hübschen Pudelschnitt verpassen. Sie sorgen dafür, dass ich immer toll aussehe.



01.04.07
Endlich habe ich es auch geschafft und eine liebe Patin gefunden. Mittlerweile ist Karin Stoll hier in Hundekreisen ja auch sehr bekannt. Sie ist sehr lieb und kümmert sich auch um einige andere meiner Kollegen. Ich freue mich besonders, weil sie angekündigt hat mich noch in diesem Jahr zu besuchen. Mittlerweile bin ich ja ein echt wilder Pudel geworden und spiele sogar mit unserem Hängebauchschwein Toni. Daher sehe ich manchmal auch gar nicht mehr so gepflegt aus, wie auf diesen Fotos, aber das finde ich toll und genieße es.
Weil ich halt viele Medikamente brauche, bin ich wohl recht teuer und da ist es toll, dass die liebe Karin sich bereit erklärt hat, meine Retter durch eine Vollpatenschaft zu unterstützen, denn ich bin ja nicht der einzige kranke Hund hier, und daher rollt der Apotheker jedes Mal auch den roten Teppich aus, wenn Sarah oder Johannes zum Einkaufen kommen. Es hat wohl was mit dem Geld zu tun, was er an uns allen verdient......
14.12.07
Charlie ist auf Sarah´s Sofa ganz friedlich eingeschlafen. Er war nicht wirklich krank, sondern einfach nur altersschwach und so war es auch ein absolut friedlicher Tod, ein sanftes Hinübergehen, das Charlie erleben durfte. Wir danken seiner Patin Karin Stoll die es durch Ihre Großzügigkeit ermöglicht hat, dass Charlie einen wirklich schönen Lebensabend haben durfte. Wir hatten viel Spaß an ihm, denn er war wirklich ein Original und hat so manche Schote gebracht. Er war bei allen beliebt und das ganze Rudel respektierte ihn als “den alten Mann”. Möge er nun seine Bestimmung in der anderen Welt finden und dort auch in Frieden wandeln.

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