Schlimmer kann es einem Hund kaum gehen: 3 Etagen hinabstürzen, die Hinterläufe brechen, nicht behandelt werden, einen Tumor am Auge bekommen, auch nicht behandelt werden, und jetzt einfach zu Einschläfern gegeben, weil Frauchen keinen Bock mehr hat und vor allem keine Kosten haben will.




Über Justinas bisheriges Leben gibt es viel zu berichten…
Justina hat am 5. Juni 1990 das Licht der Welt erblickt, und zwar als Tochter eines Pudels und eines portugiesischen Wasserhundes. Damals hieß sie noch „Rosca“, das ist das portugiesische Wort für “Schraube”. Ihre damalige Besitzerin war Finnländerin, die in Portugal lebte und Pudelzüchterin war. Justina ist seinerzeit oft nach Finnland gereist und hat viel gesehen in ihrem Leben. Als ihr Frauchen starb, übernahm die Nachbarin Justina zusammen mit ihrem Vater und so bekam ihren heutigen Namen Justina. Eines Tages bei einem Spaziergang wurde Justinas Papa gestohlen, und Justina hat deswegen sehr gelitten.
Im Laufe ihres Lebens hat Justina mehrere Welpen zur Welt gebracht, die alle sehr schön waren. Im Alter von acht Jahren hat sie noch einmal vier Welpen von einem schwarzen Pudel bekommen. Auch sie waren wieder bildhübsch. Einige sehen aus wie Justina, andere eher wie der Vater. Ihr Frauchen behielt von diesem Wurf eine schwarze Tochter, mit der Justina zusammenlebte, bis sie zu uns kam.
Justina ist in der Vergangenheit aus uns unbekannten Gründen drei Etagen tief gefallen, von der 5. Etage in die 2. Etage. Sie brach sich bei dem Sturz beide Hinterbeine und den rechten Oberschenkelhals. Sie hatte damals kein Gefühl mehr in den Beinen, und alle dachten, sie müsste eingeschläfert werden. Doch mit der Zeit wurde es dann doch besser und sie lernte, mit dieser schlimmen Behinderung zu laufen. Eigentlich hätte sie operiert werden müssen, aber ihre Besitzerin wollte kein Geld für einen solchen Eingriff ausgeben, wen wundert´s....
Zu allem Überfluss wuchs mit der Zeit auch noch ein kleiner Tumor oberhalb des rechten Auges. Der Tierarzt wohlgemerkt hat von einer Operation abgeraten mit der Begründung, dass sich das eh nicht lohnen würde, das Geld sei viel zu schade dafür. Also wuchs der Tumor immer weiter, bis sie gar nichts mehr sehen konnte, weil der Tumor so groß war, dass er das ganze Auge bedeckte. Als wäre das nicht schon genug, hat sich der Tumor auch noch entzündet und war vereitert.
Im Laufe der Zeit ist sie auf dem anderen Auge auch noch erblindet, und hören kann sie auch nicht mehr. Woran das liegt, weiß keiner, möglicherweise sind das Alterserscheinungen. Nun ist sie blind, taub und gehbehindert. Das führte dazu, dass sie irgendwann anfing, immer Kreis zu laufen. Sie hat keine Orientierung mehr. Und sie fing an, ins Haus zu machen und zu weinen, weil sie nach menschlicher Nähe suchte. Ihr Frauchen war mit der Situation maßlos überfordert und beschloss, dass Justina auf der Terrasse leben muss und nicht mehr ins Haus darf, so war es für die Familie angenehmer. Justina hat sich zwar mit der Zeit daran gewöhnt, draußen zu leben, aber sie weinte nachts immer noch sehr viel. Eine nette Nachbarin hatte Mitleid mit dem armen Hund und bot an, sie tagsüber zu sich zu nehmen, weil sie eine große Dachterrasse und auch selbst einen Hund hatte, so dass Justina dann wenigstens tagsüber in Gesellschaft war, denn die alte Dame war den ganzen Tag zu Hause.
So ging es eine Weile gut, doch dann wurde es Justinas Frauchen doch zuviel. Der Pflegeaufwand war ihr zu groß und das ständige Saubermachen lästig. Sie überlegte, Justina einschläfern zu lassen, da sie keine Lust mehr hatte auf den Hund.
Zum Glück haben Sarah und Miguel bei dieser Familie die Tochter von Justina zum Scheren abgeholt und bei der Gelegenheit von dieser traurigen Geschichte erfahren. Sie haben Justina auch gleich kennen gelernt, und Sarah war sofort der Meinung, dass diesem armen Hund geholfen werden muss. Wir haben dann gemeinsam beschlossen, Justina vor dem Tod zu retten und sie zu uns zu holen. Ihr Frauchen war sehr dankbar und froh, dass eine Lösung gefunden wurde.
Justina kam am 4. Oktober zu uns. Vorher wurde sie von unserer Tierärztin Heike untersucht und auch sofort am Auge operiert, der Tumor ist nun entfernt. Bei der Gelegenheit wurde auch gleich eine Zahnreinigung gemacht, denn ihre Zähne waren schon so schlimm, dass sie kaum noch fressen konnte. Herz und Nieren sind in Ordnung, also hat sie bis auf die fehlende Sehkraft und das fehlende Hörvermögen keine altersbedingten Probleme, aber das reicht ja auch…
Justina ist sehr dünn und trinkt sehr viel, das könnten Anzeichen für Diabetes sein. Wir beobachten sie weiterhin, und demnächst wird sie dann noch mal untersucht, speziell wegen des Diabetesverdachts. Sollte sie tatsächlich Diabetes haben, dann würde das einen langen Rattenschwanz nach sich ziehen, angefangen bei der Ernährungsumstellung, denn dann müsste sie ein Spezialfutter bekommen, bis hin zur Medikamentengabe.
Die Geschichte von Justina hat uns wieder mal sehr bewegt. Sie zeigt, wie herzlos Menschen gegenüber Tieren sein können. Solange die Tiere „funktionieren“, wie sie sollen und solange sie für die Züchtung eingesetzt werden können, ist alles in bester Ordnung, aber gibt es eine Störung in diesem gewohnten Ablauf, dann werden sie lästig und werden eingeschläfert, weil das der einfachste Weg ist und der Mensch sich nicht mit seiner eigenen Schwäche auseinandersetzen muss. Justina wurde geliebt, als sie gesund war, danach war sie ein Klotz am Bein, den man loswerden wollte.
Justina lebt jetzt auf der Quinta, u. a. zusammen mit den anderen beiden betagten Pudeln Charlie und Caniche und wird bei uns geliebt und gepflegt bis an ihr natürliches Lebensende. Sie ist nicht nur von den Menschen, sondern auch von den Tieren freundlich empfangen worden. Die Hunde haben sie neugierig beschnuppert und sofort gemerkt, dass sie alt und gebrechlich ist. Nun ist sie im Rudel aufgenommen und wird von den anderen akzeptiert und respektiert und auch in Ruhe gelassen, wenn sie das möchte. Sie kann nun bei uns einen würdigen und liebevollen Lebensabend verbringen – hoffentlich noch für eine lange Zeit... wir werden alles dafür tun
15.10.06
Justina geht es besser. Sie kommt klar, soweit man das sagen kann, denn logischerweise kann sie nicht wirklich am Rudelleben teilnehmen. Dennoch bekommt sie immer mal Besuch von dem ein oder anderen Hund und auch von manchen Katzen, die neugierig an ihr schnuppern. Sie hat einen Bereich in dem sie sich auch selbständig bewegt und rumläuft. Sie findet ihren Schlafplatz und kann ihre Verrichtungen so machen, dass sie sich nicht mehr - wie am Anfang - selbst beschmutzt. Ihr Herz ist kräftig und auch die anderen Organe funktionieren gut. Sie isst wirklich gut und viel, hat keinen Durchfall, nimmt aber leider kaum sichtbar zu. Diesem Phänomen müssen wir noch auf den Grund gehen. Sie friert daher auch leicht, selbst wenn es nicht kalt ist. Wir haben ihr eine gefütterte Jacke gekauft und damit geht es ihr wirklich gut. Tagsüber schläft sie auch recht viel, ist aber nicht apathisch, sondern läuft herum und erforscht zurzeit täglich den Garten. Sie liebt den Garten offenbar sehr, weil sie im Gras besser laufen kann, als auf einer glatten und unebenen Oberfläche. So ist sie jetzt tagsüber im Garten und ab 17:00H dann beim Rudel.
Das hat auch noch den angenehmen Nebeneffekt, dass sie Ruhe vor Toni hat, unserem Hängebauchschwein, was von sich selbst glaubt ein Hund zu sein. Toni ist seit einem dreiviertel Jahr bei uns, lebt tagsüber frei mit den Hunden und liebt alles was Locken hat und weiß ist, also: Sina, Ayla, Caniche, Charlie und eben auch Justina. Wenn er spielen will, beißt er seine auserwählten Kumpels immer leicht in den Po oder schubst sie an. Bei Ayla erntet er da wenig Gegenliebe, aber das zeigt sie ihm dann auch, die anderen spielen gerne mit ihm, aber Justina kann das natürlich nicht, kann sich aber auch nicht wehren. Toni wollte das nicht einsehen und so musste er erst einmal einige Tage ins Gefängnis, durfte nicht über Los und konnte auch keine 4.000.-€ einziehen. Jetzt aber ist das Problem gelöst, denn in den Garten kann Toni sowieso nicht und Justina hat ihre Ruhe vor ihm. Toni ist jetzt wieder frei und hat gerade ein Hotel auf der Parkstraße gebaut (oder verwechsle ich da jetzt was....????)
Justina´s Wunden sind gut verheilt und auch das Auge sieht jetzt gut aus. Die Wunde von der Tumorentfernung ist verheilt und nicht entzündet. Wir mussten sie aber komplett scheren, denn das Fell war nicht zu retten. Bis hier der Winter kommt, ist es aber wieder nachgewachsen und wir bürsten sie regelmäßig, sodass sie erst gar nicht mehr verfilzen kann.




22.10.06
Justina hat zum ersten Mal gebellt!!! Nun ist das ja für einen Hund eigentlich nicht gerade ungewöhnlich, für unser Justina aber schon. Sie wird immer lebenslustiger und kommt mehr und mehr aus ihrer abgeschlossenen, inneren Welt heraus. Sie läuft sehr viel und man spürt, dass sie ihren eigenen Willen entdeckt hat und eigentlich nur noch die Sachen macht, die sie auch machen will. Wenn sie z.B. ihr Jäckchen nicht mag, zieht sie es sich einfach aus - wie, das wissen wir noch nicht, denn wir konnten sie dabei noch nicht beobachten.
Nachts hat sie ja ihre eigene warme und geräumige Hütte, aber auch das gefällt ihr nicht immer und so hat sie es vor 2 Tagen geschafft die provisorische Türe wegzudrücken und sich heraus zu mogeln. Da es hier zurzeit sehr viel regnet, ist das nicht gerade die beste Idee. Normalerweise ist sie ja immer im Garten, wenn es aber regnet, bringen wir sie eben in ihr kleines Haus. Das paßt ihr dann gar nicht und das zeigt sie uns auch.
Justina entwickelt einen enormen Hunger und wird auch immer kräftiger. Da sie sehr viel herumläuft, werden ihre Muskeln auch wieder kräftiger, was nur gut für sie ist. Heute morgen dann musste Caroli sie ganz schnell aus dem Garten ins Häuschen bringen, weil es unwetterartig zu regnen begann. Es war daher nicht möglich, Justina sofort ihr Futter zu geben, was sie mit Unwillen und energischem Bellen quittierte.
Zu beobachten, dass dieser kleine Hund so langsam sich selbst wieder entdeckt und anfängt klar zu zeigen, was er will und was nicht, ist ein ganz tolles Erlebnis. Justina lebt zwar offensichtlich noch teilweise in einer eigenen, kleinen Welt, läuft sehr viel im Kreis und scheint immer etwas zu suchen, aber sie nimmt auch am Leben ihrer Umgebung teil. Sie leidet nicht, das ist sicher, ihr Auge ist sehr gut verheilt, organisch ist sie wohl gesund und so kann sie ein würdiges Leben führen.
Wir fühlen uns bestätigt in unserer Entscheidung, sie nicht einschläfern zu lassen. Sicherlich hatten wir gerade in den ersten Tagen auch sehr genau überlegt, ob es ein Leben in Würde ist, oder ob hier eine Grenze erreicht ist bzw. überschritten wird und man eben doch mal über einen friedlichen, würdigen Tod nachdenken sollte. Sie tat uns am Anfang so leid, weil sie ja auch so viele Probleme auf einmal hatte und so völlig teilnahmslos schien. Da Einschläfern für uns aber eigentlich niemals eine Option ist, haben wir uns auch in diesem Fall von unserem Gefühl und dem festen Glauben an das Leben leiten lassen. Es war wieder die richtige Entscheidung und das macht uns besonders froh.
23.10.06
Leider ist Justina nun doch von uns gegangen. Wir trauern sehr um sie und hoffen, dass sie ihre letzte Zeit bei uns genossen hat. Sie diese Tage hier nochmal so richtig ausgenutzt , um glücklich zu sein. Sie starb ganz friedvoll und ohne Qual, denn sie hatte ja keinerlei Schmerzen. Die letzten Tage ihrer mehr als 16 Lebensjahre hat sie glücklich im Garten verbracht, hat sich versteckt und mit Caroli unterm Sonnenschirm nachlaufen gespielt.
Liebe Justina, wir werden Dich nie vergessen und wir haben Dich für immer in unsere Herzen aufgenommen.
Liebes Regenbogen Land
Justina ist mein Name,
Unglaublich lange war mein Leben,
Schutz und Liebe hatte ich zuletzt,
Träumen muss ich jetzt nicht mehr,
Ich bin im Traumland angekommen,
Nachts schliess ich meine Augen,
Augen die Euch für immer begleiten und beschützen werden.
Danke das du mich aufgenommen hast, liebes Regenbogen Land.
*5 Juni 1990
+23 Oktober 2006

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