Ruth und Herbert auf der Quinta Eanna, April 2008
Als wir auf der Quinta ankamen, fütterte Karin gerade Kater Red, der als einzige Katze das Privileg genießt, weiches Futter unbehelligt von den anderen Katzen in der Küche des Gästehauses zu sich nehmen zu dürfen, weil er sehr schlechte Zähne und häufig Zahnfleischentzündungen hat. Außerdem soll er ein wenig zulegen. Ich übernahm die Fütterung der Katzen, die sich draußen im Gästebereich aufhalten, nur zu gerne und Red hat mein Herz im Sturm erobert. Würden Herbert und ich nicht in einer Stadtwohnung ohne Möglichkeit der Freiganggewährung leben, wäre Red heute wohl nicht mehr auf der Quinta...
Karin führte uns als erstes zur Hundekrankenstation, damit wir Leica und Rudi begrüßen konnten. Die Freude war riesig, auch bei den vielen Hunden, durch die wir uns unseren Weg zur Krankenstation bahnten. Alle sind begeistert über menschlichen Besuch und fordern ihre Streicheleinheiten. Ich wünschte mir, ein Octopus mit 100 Armen und Händen zu sein.
Danach gings erst mal an den nahen Atlantik, den wir natürlich auch unbedingt begrüßen mussten. Abends besuchte uns dann Johannes, der sichtlich abgekämpft von einem anstrengenden Workshopwochenende wegen der benachteiligten Jugendlichen kam, die auf der Quinta mit Hilfe der Tiere therapiert werden.
Stabile Möglichkeiten der weiteren Finanzierung des Tierschutzes zu finden, z. B. indem das Angebot der tiergestützten Pädagogik erweitert wird, war immer wieder eines unserer Diskussionsthemen. Leider ist das liebe Geld das Hauptproblem, wenn man derart aktiven Tierschutz betreibt. Die Kosten für die Tiere explodieren und Spenden sowie Patenschaften sind von immenser Bedeutung, decken aber momentan nur einen geringen Teil der tatsächlich anfallenden Kosten ab.
Wie viel Johannes, Sarah, Karin und Marlies um die Ohren haben, davon konnten wir uns nun vor Ort erst wirklich ein Bild machen. Sie machen ja alles alleine: die vielen Tiere, die oft schwerst verletzt zu ihnen kommen, versorgen und verarzten, die Jugendlichen betreuen, die Landwirtschaft, den Gästebereich säubern sowie die vielen Reparatur- und Bauarbeiten ausführen, die aufgrund der freien Rudelhaltung permanent anfallen. Dazu kommen dann noch die umfangreichen Büroarbeiten, unzählige E-Mails schreiben, Telefonate führen, die Website ständig aktualisieren, das Tagebuch schreiben, die Buchhaltung inklusive Jahresbericht, neue Konzepte zur tiergestützten Pädagogik entwerfen und das alles mit einer grottenlangsamen Internetverbindung. Die zu erledigenden Arbeiten nehmen einfach kein Ende und es ist bewundernswert, wie sie das alles bewältigen.
Dann kamen noch 5 Welpen hinzu, die erst 3 Tage alt waren und in der Mülltonne gefunden wurden. So wurden Karin und Johannes unverhofft zu Mama und Papa und durften alle 3 Stunden Fläschchen geben. Die Müdigkeit stand den beiden ins Gesicht geschrieben, dennoch hatten sie viel Spaß an ihrer neuen Rolle und waren gut drauf.
Höhepunkt für uns war natürlich der berühmte Gang mit dem Rudel ins Tal. Das ist für Menschen wie Tiere ein Erlebnis, das man nicht in Worte fassen kann, das muss man erleben! Unter den unzähligen Hunden gibt es keinerlei Aggressionen, sie sind friedlich und entspannt, lächeln regelrecht und stürzen sich schmusewütig auf jeden Menschen, der mitgeht. Sollte es doch mal Kabbeleien untereinander geben, reicht ein kurzes „Wuff“ von Alphahund Rex und augenblicklich herrscht Frieden. Diese Hunde sind mit Sicherheit optimal geeignet, um Menschen, die Angst vor Hunden haben, von dieser zu befreien.
Wir besuchten nicht zuletzt wegen unserer Patenhunde natürlich oft die Krankenstation, wo jede Menge los war. Es ist unbeschreiblich, mit all den Tieren, die und deren Leidensgeschichte man von der Website kennt, wahrhaftig zu schmusen. Wer diese Website und die Geschichten der vielen schwer verletzten Neuzugänge mitverfolgt, kann sich gar nicht vorstellen, wie schnell diese Tiere hier von ihren schlimmen Verletzungen und Traumata genesen. Das muss man einfach vor Ort sehen!
Leica geht es blendend, wofür allein schon ihr permanenter Appetit (ich würde es eher als Gier bezeichnen) spricht. Rudi ist einfach klasse und in Wirklichkeit noch kleiner als er auf der Website wirkt, aber voller Mut, innerer Kraft und Stärke!
Klein Jennifer, die ja mit mehrfach gebrochenen Hinterläufen gefunden wurde, habe ich kaum erkannt, so schnell hat sie sich entwickelt. Sie strotzt nur so vor Energie trotz der erst kürzlich erfolgten komplizierten Op´s der Hinterbeinchen. Karin wollte ihre Fäden ziehen und ich versuchte zunächst, sie zu halten, aber meine Kraft reichte nicht aus, dieses Temperamentsbündel ruhig zu halten. Also musste Herbert ran und ich konnte wenigstens ihr Köpfchen halten und sie so etwas beruhigen.
Auch Peninas rasante Genesung nach der schweren Hüft-Op hat mich überwältigt. Sie läuft schon wieder sehr sicher, ist neugierig und holt sich selbstbewusst ihre Schmuseeinheiten sowie Leckerlies. Von Leishmaniose merkte man nix. Sarah meinte, sie seien sich gar nicht sooo sicher, ob sie tatsächlich Leishmaniose hat, da sie keine Symptome aufweist. Wenn man bedenkt, dass ein anderer Tierschutzverein Penina eben wegen der Leishmaniose aufgeben wollte, stimmt einen das schon sehr nachdenklich, wie leichtfertig so manch andere Tierschützer über Leben und Tod eines Tieres entscheiden.
Rex, Alphahund und Rudelführer sowie Leiter der Krankenstation, ist das schmusigste Wesen, das man sich vorstellen kann und es ist unmöglich, seinen Küsschen zu entrinnen. Bevor er zur Quinta kam, wurde er nur rumgestoßen und niemand wollte sich wirklich um ihn kümmern, weil er angeblich so aggressiv war. Ich kann einfach nicht glauben, dass dieses Tier mal gebissen haben soll.
Sicherlich sind all die schnellen Heilerfolge in der in dieser Form einmaligen freien Rudelhaltung begründet. Die Tiere werden nicht vom Menschen erzogen oder gedrillt, sie erziehen sich gegenseitig im Rudel untereinander. Auf der Quinta Eanna dürfen sie frei entsprechend ihrer jeweiligen Bedürfnisse leben und finden so zu eben diesen inneren Bedürfnissen, sowie ihren natürlichen Instinkten zurück. Dadurch finden sie schnell ihren eigenen inneren Kern wieder und entwickeln eine enorme Lebensfreude sowie echte, freie, undressierte Liebe aus dem tiefsten Inneren heraus, die man als Mensch sofort spürt.
Diese Tiere fühlen, was der Mensch gerade will und emotional braucht. Durch ihre innere Freiheit entfalten sie eine unglaubliche Heilwirkung, nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf den Menschen. Das konnten Herbert und ich am eigenen Leib spüren. Die freie Liebe dieser Tiere macht auch den Menschen glücklich und ist nicht vergleichbar mit der anerzogenen Liebe dressierter Tiere. Wir sind überzeugt, nachdem wir es selbst erlebt haben, dass sich diese Tiere sogar besser zur tiergestützten Therapie von traumatisierten Menschen eignen, als speziell dazu dressierte Therapietiere. Diese Tiere sind in der Lage, den Menschen zu seinem eigenen freien, inneren Kern zu führen. Das schaffen Tiere, denen alles vom Menschen beigebracht und antrainiert wurde, die also selbst nicht wirklich innerlich frei sind, wohl kaum.
Zurück in München, sind wir nun etwas traurig, denn wir vermissen die Tiere der Quinta sehr. Ja, den Atlantik natürlich auch ein wenig. Diese 12 Tage haben uns umso mehr darin bestärkt, uns speziell für dieses Projekt einzusetzen und um seinen dauerhaften Erhalt zu kämpfen, wo wir können. Ganz lieben Dank, Karin und Johannes, für Eure liebe Gastfreundschaft trotz des immensen Stresses, den Ihr hattet. Das war mit Sicherheit nicht das letzte Mal, dass wir Euch besucht haben!!!
Da Fotos oft mehr aussagen als Worte, habe ich ein Fotoalbum zusammengestellt, das man sich unter Fotos.web.de/r.finkemeier/Quinta_Eanna_April_2008 ansehen kann. Dort findet so mancher Pate aktuelle Bilder von seinem Schützling, besonders auf der Krankenstation. Vielleicht verguckt sich ja auch der ein oder andere Katzenliebhaber in eine der vielen bildschönen Katzen und möchte Katzenpate werden. Die Schönheit der Küste wollte ich Euch dabei auch nicht ganz vorenthalten...
Wir wünschen uns ganz viele Förderer und Mitstreiter für „S.O.S. Animais sem futuro Assoc.“ und danken allen herzlichst, die das Projekt jetzt schon aktiv bzw. durch Spenden und Patenschaften unterstützen. Wir können jedem nur empfehlen, sich vor Ort selbst ein Bild davon zu machen, wie einmalig und unterstützenswert dieses Projekt ist. Ihr werdet es nicht bereuen. Ein Urlaub auf der Quinta Eanna ist ein ganz besonderes Erlebnis, das man nie vergisst!!!

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