Straßenhunde: Mythos, Legende, Illusion, falsch verstandene Tierliebe

Was wir in den folgenden Zeilen kurz erklären wollen, bezieht sich natürlich vor allem auf Portugal und soll keine allgemeingültige Darstellung für alle südlichen Länder sein. Wir können logischerweise nur beschreiben, was wir aus eigener Anschauung kennen.

Wir werden oft nach den legendären Straßenhunden gefragt und viele Menschen denken, dass wir diese aufsammeln und dann für sie ein neues Zuhause suchen. Oft herrscht auch die Vorstellung, dass Straßenhunde abgemagert, krank und verkommen seien und dringend Hilfe benötigen würden. So pauschal kann man das aber gar nicht sagen, denn es gibt wie immer 2 Seiten der Medaille.

Es gibt da die Hunde, die seit Generationen auf der Straße leben und sich vermehren. Sie haben gelernt, wie man im Verkehr nicht zu Schaden kommt, viele von ihnen gehen an Fußgängerampeln über die Straße und wissen wann diese rot oder grün anzeigt. Sie haben auch gelernt sich zu ernähren und tragen in sich einen Freiheitsdrang, der durch nichts zu bändigen ist. Tolles Futter, ein warmes Körbchen, liebevolle Menschen, all das ist für solch einen Hund keine wirkliche Perspektive und er will es auch nicht wirklich. Würde man ihn einfangen und nach Deutschland vermitteln, wäre dieses Tier definitiv unglücklich und auch der neue Besitzer hätte keine Freude an ihm, denn der Freiheitsdrang wäre durch keinen Zaun und keine Leine einzudämmen. Wir kennen Hunde, die 3 Meter hohe Zäune übersteigen, nur um frei zu sein.

Sofern ein typischer Straßenhund also nicht krank aussieht, verletzt ist oder aus irgendeinem Grund sehr abgemagert wirkt, gibt es keinen sinnvollen Grund ihn einzufangen und zu vermitteln. In Portugal gehören diese Hunde zum allgemeinen Straßenbild und auch seitens der Verwaltung läßt man sie in Ruhe. Das ist im Gegensatz zu anderen Ländern wirklich ein großer Vorteil.

Ein ganz anderes Problem aber ist die Vermehrung dieser Tiere, denn was Welpen angeht, neigt auch der Portugiese zur Entsorgung via Mülltonne. Dabei ist es egal, ob die Mutter ein Straßenhund ist oder eben der eigene Hund. Aus diesem Grund müssen wir genau auch hier ansetzen, einerseits mit Sterilisationsaktionen und andererseits mit Aufklärung und Information.

Nicht umsonst sind 70% unserer Neuaufnahmen Welpen im Alter von 1 Tag bis 1 Woche . Natürlich ziehen wir alle auf und versuchen sie zu vermitteln, aber das kann nicht die einzige Lösung sein. Wichtig ist auch die Vorbeugung und genau hier wollen wir in 2007 wesentlich mehr unternehmen und versuchen in den Köpfen unserer portugiesischen Mitbürger etwas zu verändern. Sofern es sich um Straßenhunde handelt, kann man diese durchaus einfangen, kastrieren lassen, auf Krankheiten untersuchen und dann wieder dorthin bringen, wo sie sich wohl fühlen. Sofern es sich um Kettenhunde handelt, wie man sie oft auf dem Lande noch antrifft, muß der Besitzer eben zur Kastration überredet werden und finanzieren müssen wir das auf jeden Fall, denn man ist hier nicht bereit für den Hund noch Geld auszugeben. Natürlich kann man ihm auch eine andere Form der Hundehaltung nahebringen, was auch gelegentlich gelingt.

Normalerweise kann ein Hund hier ungestört leben, solange er nicht stört, keinen Lärm macht und keine Kosten verursacht. Ist er aber krank oder verletzt, beginnt das Drama und er wird einfach ausgesetzt, liegen gelassen oder eben weggeworfen. Um diese Tiere kümmern wir uns und nehmen sie hier auf. Normalerweise landen solche Hunde in den öffentlichen Tierheimen und genau dort müssen sie dann entweder unter unerträglichen Umständen leben oder werden eben nach 10 Tagen eingeschläfert. Einmal bei uns aufgenommen, prüfen wir sehr genau, ob ein Hund sich überhaupt zur Vermittlung eignet, oder eben besser bei uns bleibt und frei im Rudel lebt. Wir haben einige Straßenhunde aufgenommen, weil sie verletzt oder krank waren. Sie leben frei bei uns, entweder im großen Rudel oder aber auch in kleinen Gruppen. Manche sind den ganzen Tag unterwegs und kommen erst zu Futterzeit wieder zurück. Alle aber fühlen sich zu uns hingezogen und kommen immer wieder, was uns die Möglichkeit gibt, sie zu beobachten, regelmäßig zu impfen, zu entwurmen und bei Anzeichen einer Krankheit zu behandeln. Dabei muss man wissen, dass die meisten Straßenhunde sich von Menschen überhaupt nicht anfassen lassen und diese natürliche Scheu niemals überwinden (weswegen man sie nicht vermitteln sollte). Uns gelingt es immer, dass sie Vertrauen fassen und somit auch wenigstens von uns angefasst, gestreichelt und untersucht werden können.

Was nun die Welpen angeht, sehen wir genau hin und überprüfen, ob sie Nachkommen eines Straßenhundes sind oder nicht. Sind es echte kleine Straßenhunde, so macht eine Vermittlung wenig Sinn und wir behalten sie. Manche dieser Junghunde kann man nicht einzeln abgeben, weil sie absolut unglücklich würden. Dann vermitteln wir sie im 2er oder 3er Pack, was allerdings nicht einfach ist, denn nur wenige Menschen nehmen gleich 2 oder 3 Hunde auf. Allerdings kann das sehr sinnvoll für den neuen Besitzer sein, weil sie sich dann miteinander beschäftigen und viel ausgeglichener sind. Solche Hunde sind im Minirudel sehr gut zu halten, während sie als Einzelhunde unglücklich wären und dann auch Unsinn machen würden. Es kommt eben immer auf den Einzelfall an und wenn wir vemitteln, schauen wir uns genau an, ob der Hund geeignet ist und ob der neue Besitzer mit ihm glücklich werden würde. Ausführliche Beratung und intensive Gespräche im Vorfeld sind uns daher sehr wichtig und führen dann auch dazu, dass Hund und Besitzer wirklich zusammenpassen.

 

Patenschaften für nicht vermittelbare Hunde sind daher ein ganz wichtiger Faktor, um uns die Chance zu echtem Tierschutz zu geben. Unsere Paten leisten einen enormen Beitrag, ehemaligen Straßenhunden ein artgerechtes Leben in Sicherheit und Gesundheit zu ermöglichen. Spenden wiederum helfen uns, auch im Bereich der Vorbeugung etwas zu bewirken.

01.01.07

Bitte lesen Sie hierzu auch unseren Bericht über Tristan und speziell die Einträge ab Oktober 2006. Denn dies zeigt, dass es in Portugal auch anders geht und es durchaus Menschen gibt, die Hunde artgerecht behandeln und mit ihnen umzugehen verstehen. Diese Chancen gilt es zu nutzen und eben bei den Menschen ein Bewußtsein zu schaffen.....


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