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Hallöchen, ich bin Velhote, was ins Deutsche übersetzt „alter Mann“ heißt. Meine Geschichte ist schlimm und traurig, finde ich, denn ich habe mein ganzes sozusagen „vor-Quinta-liches“ Leben an einer Kette verbracht. Pflege und Zuneigung waren Fremdwörter für mich. Ich hatte nicht einmal die Möglichkeit, mich in eine Hütte zurückzuziehen. Ein Haus hatte ich auch noch nie von innen gesehen. Somit war ich allen Witterungsbedingungen schonungslos ausgesetzt. Sowohl bei starkem Regen und Kälte im Winter als auch bei Sonnenschein mit Temperaturen um die 40 Grad oder mehr, wie sie hier im Sommer üblich sind, habe ich draußen verbracht.

Irgendwann wollte mein Besitzer mich und meine beiden Kameraden, die bis dahin ebenfalls dort so elend „gelebt“ haben wie ich, nicht mehr haben, einfach so, plötzlich und völlig grundlos, wie ich finde. Das war ganz schrecklich für mich und meine Freunde, denn schließlich kannten wir gar kein anderes Leben als das an der Kette. Er hat uns von der Kette losgemacht und mit aller Gewalt fortgejagt, doch wir kamen uns so verloren vor. Plötzlich ohne die mittlerweile so vertraute Kette zu sein, war ein seltsames Gefühl. Ich habe zwar immer von einem freien Leben geträumt, nun hatte ich es plötzlich, und konnte gar nichts damit anfangen, weil ich nichts von einem kettenlosen Leben wusste. Also, was blieb mir anderes übrig, als wieder zurückzugehen zu meinem verhassten Besitzer. Wo sollte ich sonst hin??? Doch er blieb bei seiner Entscheidung und schlug mit einem großen Stock immer und immer wieder auf mich und meine beiden Freunde ein, bis uns nichts anderes übrig blieb, als abzuhauen. Er lief noch lange hinter uns her und drohte weiter mit harten Schlägen, damit wir auch ja nicht wiederkommen. Das haben wir danach aber auch nicht mehr versucht.

Das alles geschah übrigens ganz in der Nähe der Quinta. Wir drei haben uns dann erstmal ein einigermaßen sicheres Plätzchen an einer Straße gesucht, wo wir auch ca. zwei Wochen geblieben sind. Sarah fuhr täglich an dieser Stelle vorbei, und es kam ihr nach ein paar Tagen seltsam vor, dass wir uns immer an derselben Stelle aufhielten. Sie hat dann die Nachbarn gefragt, ob sie was über uns wüssten, und bei der Gelegenheit hat sie die brutale Geschichte erfahren. Von da an hat sie jeden Tag angehalten und hat uns mit Futter und Wasser versorgt.

Wir sahen sehr verwahrlost aus, und unsere Körper waren derart mit Zecken übersät, dass man kaum noch etwas von unserer Haut sehen konnte. Sie hat dann die lästigen Viecher entfernt, und so haben wir uns kennen gelernt. Schließlich hat sie mich nach ein paar Tagen mit zur Quinta genommen und hat meine beiden Freunde bei einem anderen Tierschutzverein untergebracht. Sie haben mittlerweile auch neue Besitzer gefunden. Eigentlich wollte sie mich und meine Kameraden schon früher von der Straße holen, aber wir waren so ängstlich, vor allem ich, dass uns keiner zu Nahe kommen, geschweige denn anfassen durfte. Es hat eine zeitlang gedauert, bis ich zu Sarah so viel Vertrauen hatte, dass sie mich mitnehmen konnte.

Sie hat mich und nicht einen der anderen Beiden mit zu sich genommen, weil sie der Meinung war, dass ich sowieso kaum Vermittlungschancen hätte, denn ich bin nicht mehr der Jüngste, wie mein Name schon sagt, und sah zu der Zeit richtig schlimm aus, so schlimm, dass alle dachten, ich würde nicht mehr lange zu leben haben. Ich habe damals schon kaum noch Zähne gehabt, hatte sogenannte Herzwürmer und - als wäre das noch nicht genug gewesen - zu allem Überfluss auch noch ganz schlimm Zeckenfieber. Nach langwierigen Behandlungen ging es mir langsam immer besser. Ich merkte sehr schnell, dass man mir hier helfen wollte und habe zu allen mehr und mehr Vertrauen gefasst.

Damals war es für meine zweibeinigen Freunde schon ein Erfolgserlebnis, wenn ich mich mal von ihnen anfassen ließ. Ihr müsstet mich jetzt mal erleben. Inzwischen bin ich ein sehr zutraulicher, anhänglicher, verschmuster und lustiger Hund geworden. Manchmal habe ich allerdings ein kleines Problem mit Männern, die ich nicht kenne, da bekomme ich dann doch hin und wieder Angst. Aber mein Herrchen Johannes mag ich sehr, denn er ist sozusagen mein Schutzengel.

Um Streicheleinheiten zu ergattern, werfe ich mich rücklings zu Boden und hoffe, dass sich mindestens eine Hand findet, die mich am Bauch streichelt, das mag ich besonders gerne. Übrigens habe ich die gleiche Lieblingshütte wie meine Freundin Hanna. Manchmal gibt es ein bisschen Stress zwischen uns beiden um den geliebten Platz, den ich notfalls auch verteidige. Ich ziehe dann gefährlich die Lefzen hoch und zeige meine noch verbliebenen Zähne, aber meistens beeindruckt das die anderen Hunde nicht wirklich. Dennoch gebe ich nicht so schnell auf. Ich kann auch ganz böse bellen, jedenfalls denke ich, dass es böse klingt, für Menschenohren klingt es eher lustig, hat mal jemand gesagt, aber das kann ich mir nicht vorstellen.

Mittlerweile bin ich ca. 10 Jahre alt und superglücklich, dass ich in meinem Alter noch eine zweite Chance bekommen und einen so schönen Platz zum Leben gefunden habe. Endlich weiß ich, was Liebe und Zuneigung bedeutet, davon habe ich in den vielen Jahren meines bisherigen Lebens nichts geahnt. Neu war mir auch, dass es Menschen gibt, die mich streicheln und mit mir spielen und mich nicht wie ein Nutztier behandeln und meinen, ich hätte eh keine Gefühle.

Zu meinen Hobbys zählen übrigens auch Katzenbabys, die mag ich ganz besonders. 

 

 

Endlich habe ich mit der lieben Ute Werner eine Patin gefunden, die ausgerechnet mir, einem typisch portugiesischen Schicksal helfend unter die Läufe gegriffen hat. So wie es mir und meinen Kumpels ergangen ist, ergeht es hier viele tausend Kettenhunden und umso stolzer bin ich, jetzt eine Patin zu haben, ganz für mich alleine. Der Hammer ist ja auch noch, dass Sie mich wohl im nächsten Mai besuchen wird.... na dann wird´s lustig. Vielen Dank an Ute und bis bald!!!

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